Ehrenamt macht glücklich - ein Interview mit der Senioren- und Behindertenbeauftragten Brigitte Schmidt-Künzel
Brigitte Schmidt-Künzel ist seit 2017 Senioren- und Behindertenbeauftragte der Stadt Eutin. Die engagierte Ehrenamtlerin erzählt, was ihre Arbeit ausmacht, warum sie Verstärkung braucht und was sie sich für die Zukunft vorgenommen hat.
Frau Schmidt-Künzel, wie sind Sie an dieses Ehrenamt gekommen?
Ich war schon immer ein politischer Mensch. Mein Vater war wählbarer Bürger. Ich war stark engagiert im Geschäft, später kam dann die Familie dazu, die Kinder und im Rentenalter habe ich endlich Zeit, mich stärker für die Gemeinschaft einzusetzen. Zunächst bei den Landfrauen und dann als Senioren- und Behindertenbeauftragte der Stadt Eutin.
Was sind ihre Hauptthemen?
Ganz klar Barrierefreiheit. Wir leben in einer immer älter werdenden Gesellschaft. Da muss sich der öffentliche Raum einfach anpassen, das erhöht die Lebensqualität für alle. Bei der Stadtsanierung in der Innenstadt ist das schon gut gelungen. Aber es gibt noch viel zu tun. Die Albert-Mahlstedt-Straße ist so ein Fall. Schwierig für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator, so wie ich z. B. Hier wünsche ich mir eine Ausbesserungsmaßnahme, damit die Straße nicht so krumm und schief ist. Außerdem sind viele Geschäfte schwer erreichbar. Hier wünsche ich mir mehr Aufmerksamkeit der Geschäftsleute – Stufen kann man nicht immer abbauen, aber man muss dann für eine Zugänglichkeit sorgen. Im Rosengarten bei Anna läuft das z. B. gut. Auf Handzeichen wird einem hier gut geholfen mit einer Rampe.
Dann natürlich die WC-Situation. Das ist ein Dauerthema. Ich wünsche mir das WC für alle in der Innenstadt und auch die Situation im Rathaus müsste dringend verbessert werden. Das ist ein Herzensthema für mich. Ein Rathaus-WC auch für Rollifahrer, das wünsche ich mir. Hier steht der Denkmalschutz im Weg. Veranstaltungen für Senioren sind auch ein Thema. Daran werde ich weiter arbeiten.
Toll ist, dass unsere Gremiensitzungen barrierefrei erreichbar sind. Das ist ein Erfolg.
Wie wollen Sie ihre Anliegen stärker einbringen?
Ich möchte nicht nur meckern, sondern Dinge voranbringen und durchsetzen. Dafür suche ich jetzt Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Ich suche eine Stellvertretung und für meinen ausgeschiedenen Kollegen Hans-Georg Beitz, mit dem ich mich immer sehr gut austauschen konnte und dem ich sehr dankbar bin für seinen Einsatz, ebenfalls einen Ersatz und eine Stellvertretung. Also im Grunde genommen sind das drei Personen. Mit ist auch wichtig, dass wir uns weiter mit dem Kreis vernetzen, da sehe ich Potential und hier brauche ich Mitstreiterinnen und Mitstreiter.
Was sollten die Interessenten mitbringen?
Wir brauchen engagierte Menschen mit Interesse für die Sache. Die Kollegen müssen etwas für die Stadt erreichen wollen, und sie müssen ganz klar in der Lage sein, Zeit zu investieren. Teamarbeit ist mir auch wichtig.
Was macht ihr Amt aus? Was mögen Sie daran?
Ich möchte etwas erreichen, etwas zum Positiven hin verändern. Das gelingt nicht immer, aber ich gebe die Hoffnung niemals auf. Ich bin die Stimme der Senioren und Behinderten. Ich schiebe Dinge an und werde gefragt. Z. B. beim Neubau der Tribüne im Schlossgarten. Hier war ich beratend tätig bei den Stufen, beim Treppenlauf – das war sehr gut. Auch bei der Ameos Klinik wurde ich gefragt. Ich gebe sehr gerne meine Meinung und mein Wissen weiter.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ganz klar, ich möchte mehr gehört werden. Für meine Themen brauche ich Mehrheiten. Die muss ich mir in der Politik organisieren, damit ich meine Themen erfolgreich umsetzen kann. Das ist nicht immer ganz einfach. Aktuell mache ich wieder meinen Weg durch die Fraktionen. Hier würde ich mir manchmal einfach mehr Gehör für meine Anliegen wünschen.
Ich bin inzwischen auch im Kreis aktiv und sehe was dort durch Vernetzung möglich ist. Für die Zukunft würde ich mir ein Budget wünschen, um auch mal Dinge anzuschieben. Auch ein Seniorenparlament wäre denkbar, dann hätte meine Stimme und die meiner künftigen Kollegen noch mehr Gewicht, und wir könnten die Arbeit auf weitere Schultern verteilen. Sehr gut läuft der Austausch und die Vernetzung mit der Eutiner Frauenrunde. Hier werde ich mich weiter engagieren.
Ich bin jetzt auch regelmäßig mit dem Bürgermeister im Austausch. Unsere Gleichstellungsbeauftragte Sarah Fatum hat das das angeregt. Das ist sehr gut, da werde ich direkt auf Stand gebraucht, wenn es um wichtige Themen in der Stadt geht.
Lohnt sich das Ehrenamt?
Auf alle Fälle. Ehrenamt macht glücklich. Man nimmt auch immer etwas für sich selbst mit. Ich war z. B. auf der Pflegekonferenz des Kreises Ostholstein, da gab es gute Tipps und Infos rund um das wichtige Thema Pflege. Man gibt viel, aber man bekommt auch viel.
Wer Lust bekommen hat, sich zusammen mit Brigitte Schmidt-Künzel zu engagieren: Gesucht werden motivierte Bürgerinnen und Bürger aus Eutin, die Interesse an sozialpolitischen Themen mitbringen und sich ehrenamtlich für die Belange älterer Menschen sowie Menschen mit Behinderung einsetzen möchten. Vorkenntnisse sind hilfreich, aber kein Muss – entscheidend sind Interesse, Gesprächsbereitschaft und der Wille, etwas zu bewegen. Besonders willkommen sind Bewerbungen von Menschen, die selbst Erfahrungen mit den Themen Alter, Pflege oder Behinderung mitbringen.
Interessierte senden bis 25. März 2026 eine E-Mail an gremien@eutin.de. Fragen beantwortet Stefanie Schmidt (Fachdienstleitung Personal, Organisation u. Gremien) unter der Telefonnummer 04521 793-120.
Wir freuen uns auf Ihr Engagement – denn eine inklusive, barrierefreie und altersgerechte Stadt entsteht nur gemeinsam.