Mehr Natur in Eutin: Warum unsere Wiesen jetzt wachsen dürfen
Die Stadt Eutin setzt bei der Grünpflege ab sofort auf ein neues Konzept. Weniger Mähen für mehr Artenvielfalt. Wer in diesen Tagen durch die Stadt geht, dem fällt es sofort auf: Viele Grünflächen zum Beispiel im Seepark sehen anders aus als gewohnt. Die Wiesen wachsen derzeit höher, Gräser wiegen sich im Wind und erste Blüten setzen farbige Akzente. Eutin lässt seine Wiesen bewusst wachsen.
Dazu sagt Bürgermeister Sven Radestock: „Gerade jetzt am Frühlingsende ist diese Entscheidung besonders wichtig. Denn aktuell entfaltet sich die Natur in ihrer ganzen Vielfalt. Viele Pflanzen beginnen zu blühen und bieten Nahrung für zahlreiche Insekten. Würden die Flächen jetzt gemäht, gingen diese wichtigen Lebensräume verloren, bevor sie sich überhaupt entwickeln könnten. Deshalb setzen wir jetzt auf dieses neue Konzept.“
Der späte Frühling ist entscheidend für die Artenvielfalt. Wildbienen, Schmetterlinge und viele andere Insekten sind auf blühende Pflanzen angewiesen. Im Stadtgebiet sind solche Rückzugsräume jedoch selten zu finden.
Durch die sogenannte extensive Bewirtschaftung, also eine Pflege mit zwei Mahdterminen im Jahr, schafft die Stadt gezielt neue Lebensräume. Die erste Mahd erfolgt erst im Juni, wenn viele Pflanzen bereits geblüht haben. Eine zweite Mahd folgt später im Jahr.
Auch die Blühflächen, die im Rahmen der Müllsammelaktion gemeinsam mit Schulen angelegt wurden, sind Teil dieses Konzeptes. Sie tragen dazu bei, zusätzliche Lebensräume zu schaffen und verbinden praktischen Umweltschutz mit Umweltbildung.
Die Gründe für diese Umstellung sind vielfältig. Seit Jahren ist ein deutlicher Rückgang vieler Insektenarten zu beobachten. Ein wichtiger Faktor dabei: der Verlust geeigneter Lebensräume. Mit den bewusst später gemähten Flächen setzt Eutin ein klares Zeichen für mehr Naturschutz im Alltag. Die Wiesen werden zu kleinen „Inseln der Vielfalt“, die nicht nur Insekten zugutekommen, sondern auch Vögeln und anderen Kleintieren.
Neben der Artenvielfalt spielt auch der Klimaschutz eine wichtige Rolle. Höhere Vegetation speichert Feuchtigkeit besser im Boden und sorgt für Kühlung an warmen Tagen. Gerade mit Blick auf Hitzeperioden wird dieser Effekt immer wichtiger. Gleichzeitig reduzieren weniger Mähgänge den Einsatz von Maschinen – das spart Energie und verringert Emissionen sowie Lärm.
Bürgermeister Sven Radestock bittet um Verständnis dafür, dass einige Flächen aktuell wilder wirken: „Dieses Erscheinungsbild ist gewollt. Es ist ein sichtbares Zeichen für mehr Natur mitten in der Stadt. Für viele Menschen bedeutet „gepflegt“ noch immer ein kurz geschnittener Rasen. Doch dieses Verständnis befindet sich im Wandel. Blühende Wiesen stehen heute zunehmend für Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung. Wir wollen uns dieser Verantwortung stellen und gehen jetzt neue Wege für mehr Artenvielfalt.“